Das Kochrezept
Man nehme einen Serienkiller und konstruiere ein Motiv, wie abstrus auch immer. Dann gebe man eine Ermittlerin hinzu (intelligent, tüchtig, aber unerfahren und mit Beziehungsproblem, in diesem Fall ein Ex-Ehemann, der das alleinige Sorgerecht anstrebt), stelle ihr einen Kollegen zur Seite, der das Zeug hat für erotischen Funkenflug, und rühre das Ganze um. Die Ermittlungen schreiten langsam voran, Verdächtige tauchen auf und werden entlastet. Das zweite Opfer wird aufgefunden. Um die Spannung zu steigern, lasse man den Leser ausgiebig an den kruden Gedankengängen des Täters teilhaben und schildere detailliert dessen grausamen Taten. Jetzt stellt sich Dringlichkeit ein. Das dritte Opfer folgt. Während die Polizei den Täter allmählich einkreist, nimmt der die Ermittlerin aufs Korn. Das Finale: Sie in seiner Gewalt.
Das Buch
Keine Frage, das Rezept funktioniert auch in diesem Fall. Helga, die erwähnte Ermittlerin, und Bjarki, ihr Kollege von der Verkehrspolizei, geben ein passables Gespann ab, auch wenn Helga vergleichsweise blass bleibt. Bjarki als wortkarger menschlicher Bär hat es leichter, Interesse zu entfachen. Ab Mitte des Romans stellt sich eine thrillergemäße Spannung ein, doch es enttäuscht ein wenig, dass Hjorth und Thorsson dem Genre-Schema kaum etwas Originelles abgewinnen. Zu verblüffen vermag allein der Cliffhanger am Schluss. Island, das auf dem Cover ziemlich scheußlich in Erscheinung tritt, bleibt Staffage. Naturschilderungen sind nicht die Stärke des Autorenduos. Letztlich könnte der Roman mit leichten Korrekturen auch in Schweden, der Bretagne oder im Bayrischen Wald spielen.
Das Fazit
Schlafende Vulkane bietet durchaus spannende Lektüre und erfüllt die Erwartungen an das Genre, mehr aber auch nicht. An die Sebastian-Bergman-Reihe, die Hjorth zusammen mit Rosenfeldt verfasst hat, reicht diese (noch) nicht heran.

Hjorth und Thorsson – Schlafende Vulkane
aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
Roman, Rowohlt Wunderlich 2026



Søren Sveistrup
Ian McEwan
Guntram Vesper
Friedrich Glauser
Mohlin & Nyström
Marcus Jensen