Archiv der Kategorie: Reise

Abteikirche Rolduc

Wenige Kilometer vom Aachener Dom entfernt liegt Rolduc, der größte Abteikomplex der Niederlande. Die Abteikirche aus dem zwölften Jahrhundert, zuletzt erweitert im Rokoko, scheint, obwohl UNESCO-Denkmal, wenig bekannt zu sein, denn wir konnten sie ganz allein bewundern.

Draußen wird an der Fassade gewerkelt …

… drinnen herrscht kontemplative Stille.


IMG_4048

Unter dem Bodengitter ruht Walram III., Graf von Limburg und Herzog von Niederlothringen.  Ein Schelm, wer dabei an Darth Vader denkt.

Rolduc bei Wikipedia

Koordinaten: 50° 52′ 5″ N, 6° 4′ 55,6″ O

Insel ohne Strand

Achtung: Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2015 und soll keinesfalls vom Besuch der Insel abhalten – ganz im Gegenteil!

Daran gewöhnt, den makellos weißen Nordseeinselstrand als den Inbegriff von Natur pur zu betrachten, wo die Seele baumelt und der Körper neue Kräfte tankt, hat es auf den ersten Blick etwas Ernüchterndes, so zu sagen hinter die Kulisse zu blicken und ihn als das zu sehen, was er in vielen Fällen ist, nämlich etwas Flüchtiges, Gefährdetes, das mit kilometerlangen Rohren und schwerem Gerät wieder aufgebaut wird, wenn Wind und Wasser es abgetragen haben. Wie in den meisten Landschaften, die wir mit Natur verwechseln, steckt also auch hier eine Menge Kultur darin, und auf den zweiten Blick weckt gerade dieser Anteil Bewunderung und Staunen.

Rohrleitung für die Sandaufspülung; Strand bei Pal 19 1/2, Texel im Mai 2018

Texel, Strand bei Pal 20 im Mai 2018

Strand hin oder her: Das Meer dahinter ist auch dieses Jahr das Gleiche.

Das Meer vor Texel im Mai 2018

Vogelbrutgebiet ‘t Horntje

Lanzarote – Lava, Licht & Meer

Enemy Mine (Wolfgang Petersen, 1985) war kein guter Film; eine kleine, sentimentale Story in bombastischem Erzählrahmen, erschütternd naiv inszeniert in zusammengebastelten Settings der Münchner Bavaria-Studios. Dass ich den Film trotzdem drei Mal gesehen habe, lag nicht zuletzt an den Außenaufnahmen, die auf Lanzarote gemacht worden waren – Bilder wie von einem anderen Stern. Mir war klar, dass ich die irgendwann dorthin musste,

Lanzarote ist eine Vulkaninsel, an einer Bruchstelle der Kontinentalplatten vor etwa 15 Millionen Jahren aus dem Meer hervorgewachsen. Fährt man von Arrecife aus ins Inselinnere, stößt man bald auf den denkbar größten Kontrast: das Schwarz der Lava, das sich in den Vulkanbergen zu Braun- und Gelbtönen abstuft, und das leuchtende Weiß der kastenförmigen Häuser mit ihren meist dunkelgrünen Türen und Fensterrahmen.


IMG_0017

Typische Behausung mit Garten: Lavamauer als Windschutz, Dattelpalmen als Baumersatz, ein paar Sukkulenten und Kakteen zur Verschönerung und Opuntien wegen der frischen Feigen.

Bald trifft man auf die ersten Lavafelder. Der letzte Vulkanausbruch fand 1824 statt, das Timanfaya-Naturschutzgebiet hat sich jedoch bereits bei den Ausbrüchen in den Jahren 1730 bis 1736 herausgebildet. Wie urtümliche Tiere ragen Vulkankegel und Teile abgesprengter Bergkuppen aus dem schwarzen Geröll der erstarrten Lava. In dieser Zone spürt man die Erdgewalten, die sich entladen haben. Hier herrscht die geologische Zeit, die uns nervösen Hüpfern als Stillstand erscheint. Auch die Flechten, die sich als Erste auf der Lava niederlassen, erscheinen uns statisch, obwohl sie das Geröll allmählich in Sand verwandeln und die Besiedlung durch andere Pflanzen vorbereiten.

Im Norden liegt der Aussichtspunkt El Mirador del Rio. Dort kann man einen Blick auf die kleine Nachbarinsel La Graciosa und deren Hauptort Caleta del Sebo werfen.

An der Nordwestseite der Insel, nahe dem Dorf El Golfo, lockt im Bogen eines teilweise versunkenen Vulkankraters der Lago Verde, der seine intensiv grüne Farbe Algen zu verdanken hat.

Geradezu rührend muten die landwirtschaftlichen Bemühungen der Inselbewohner an. Es fällt kaum Regen, das Trinkwasser wurde bis vor kurzem mit Tankschiffen herangeschafft. Inzwischen verrichten Meerwasserentsalzungsanlagen ihren Dienst, doch zur Bewässerung reicht das nicht aus. Alle Pflanzungen, vor allem Wein, werden von niedrigen Lavamauern vor dem Wind geschützt, die stellenweise die Landschaft prägen.

 

Weinanbaugebiet


Auf Opuntien gedeiht die Cochenilleschildlaus, aus der der Farbstoff Karmin gewonnen wird.

Niemand kommt auf Lanzarote an César Manrique (1919-92) vorbei. Der Maler, Landschaftsplaner und Architekt ist allgegenwärtig und genoss schon zu Lebzeiten quasi Heiligenstatus – man könnte auch von Narrenfreiheit sprechen. Auf Lanzarote geboren, studierte er Kunst in Madrid und ging dann nach New York, wo er genau die richtigen Leute kennenlernte (Rothko, Pollock, Warhol). 1939 kehrte er auf die Insel zurück. Ob es wirklich eine gute Idee ist, Lavahöhlen zu dekorieren, sei dahingestellt, doch auf jeden Fall hat ihm Lanzarote unter anderem das einheitliche architektonische Erscheinungsbild und die umweltverträgliche Entwicklung des Tourismus zu verdanken.


IMG_2943

Innenraum in der Fundación César Manrique


Atelier des Künstlers

Windmühle am Jardin de Cactus

Noch ein Wort zur Unterbringung. Das Hotel Seaside Jameos de Playa in Arrecife hat sich als idealer Ausgangsort für die Inselerkundung erwiesen. Die Anlage ist nicht unbedingt ruhig zu nennen, ist aber so weitläufig angelegt, dass auch Ruhesucher genügend Rückzugsorte finden. Verpflegung und Service sind ausgezeichnet, der nahe öffentliche Strand ist nicht überlaufen. Und der wundervolle Kakteengarten des Hotels hat uns dafür entschädigt, dass der von Manrique entworfene Jardin de Cactus wegen eines Streiks nicht zugänglich war.

IMG_2989


 

Polen – Besuch beim Nachbarn

Polen, das war für uns Terra incognita, präsent allein in den Zeitungsmeldungen, wo es neuerdings mit Neonationalismus, Verfassungskrise und EU-Verdrossenheit von sich reden macht. Deshalb wurde es Zeit, dem östlichen Nachbarn einen Besuch abzustatten. Mit touristischem Blick haben wir eine kleine Rundreise durch Polens Norden gemacht, mit den Stationen Stettin, Kolberg, Leba, Danzig, Thorn und Posen, die ich hier kurz vorstellen möchte.

Behufter Denker im Hof des Stettiner Schlosses

Als Erstes fällt auf, wie ähnlich Deutschland und Polen sich oberflächlich sind. Der rollende Wagenbestand gleicht dem unseren, die disziplinierte Fahrweise auch. Autonostalgie wie im Osten Deutschlands mit seinen Hätscheltrabis – Fehlanzeige. Wie überall trifft man auch hier die immergleichen Ketten und Konzerne – Toom, Ikea, Lidl, McDonalds, sie sind alle da. Unser erstes Ziel  war Kolberg (Kołobrzeg) – Ostsee mit weißem Pudersand.

Buhnen bei Kolberg

Viele historische Stadtkerne wurden inzwischen liebevoll restauriert. Ein hübsches Beispiel ist die mittelpommersche Stadt Treptow (Trzebiatów), die von den touristischen Zonen des Grauens, in denen sich hochvolumig beschallte Verkaufsbuden voller Plunder aneinanderreihen, weitgehend verschont geblieben ist. Umgeben sind die historischen Stadtkerne häufig von hohen Wohnblöcken, deren Einheitsgrau allmählich freundlicheren Farben Platz macht.

Marktplatz in Treptow

Wohnblocks an der Kolberger Peripherie

Fassadenmaler in Kolberg

Ein landschaftliches Highlight der Reise war der Slowizinische Nationalpark bei Leba mit seinen bis zu 40 Metern hohen Wanderdünen, der auch als Polnische Sahara bezeichnet wird.

Wanderdüne im Slowizinischen Nationalpark

See bei Leba

Mönchsfigur am Eingang eines Hotels bei Leba

Die alte Hansestadt Danzig war das Ziel der Reise. Mit dem Beschuss der Westerplatte und der Polnischen Post begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg.  Nach dem Krieg wurde die Altstadt sorgfältig restauriert. Die eindrucksvollsten Gebäude finden sich entlang dem Droga Królewska, dem Königsweg.

Droga Królewska, der Königsweg, mit Neptunbrunnen

Altstadt am Ufer der Mottlau. Das Gebilde mit der schwarzen Front ist das mittelalterliche Krantor. Im Innern befand sich eine Art Hamsterrad, das Häftlinge mit ihren Füßen in Bewegung setzten, um die Lasten von den Schiffen zu heben.

Wasserspeier

Altar der Marienkirche. Hier hat Oskars Mutter in Günther Grass’ Blechtrommel die Beichte abgelegt.

Ein Beichtstuhl lädt zum Besuch ein

Die nächste Station war Thorn (Torún). Eigentlich nur als Zwischenhalt angesteuert, überraschte uns Thorn mit einem reizenden kleinen Hotel, dem Petite Fleur, das allerdings nur solchen Gästen empfohlen werden kann, die gegen französische Chansons nicht allergisch sind. Auch hier findet sich ein wundervoll restaurierter historischer Kern. Zudem lebte hier Nikolaus Kopernikus, der mit dem heliozentrischen Weltbild den Beginn der modernen Astronomie markierte.

Buntes Thorn

IMG_2126

Kopernikusstatue

Am Stadtrand finden sich Überreste einer Burg des Deutschordens aus dem 13. Jahrhundert. Offenbar waren die Bewohner mit den Zugezogenen höchst unzufrieden, denn 1454 machten sie die Anlage ziemlich gründlich platt.

Statue eines Deutschordensmanns vor rekonstruierter Burgmauer

Kerzenautomat in Posener Barockkirche

Marktplatz in Posen mit Rathaus

Das Polen, das wir sahen, macht den Eindruck eines Landes, das entschlossen in die Zukunft strebt und die Nachkriegsvergangenheit vielleicht etwas zu konsequent abgeschüttelt hat. Abgesehen von den vielen Plattenbauten erinnerte kaum noch etwas an die Zeit des Kommunismus und des Warschauer Pakts. Deshalb war ich überrascht, als wir in Posen (Poznán) auf den Cytadelapark stießen, eine große Anlage im sowjetischen Stil. Beim Anblick des Teichs mit den konzentrischen Sitzreihen hörte ich eine Stimme im Kopf: Der Erholung der Werktätigen messen wir allerhöchste Bedeutung bei.

Dahinter liegt ein Kriegsmuseum mit Panzern und Kampffliegern aus dem 2. Weltkrieg, dann kommen die pompösen Siegesobelisken und schließlich der Soldatenfriedhof, für mich der berührendste Moment der Reise. Hier liegen polnische, sowjetische und englische Gefallene Seite an Seite. Beeindruckend die Skulptureninstallation von Abacanowicz. Die kopflosen Figuren sind individuell gearbeitet, eine beklemmende Visualisierung von Vermassung und Kriegsverwurstung.

IMG_2164

The Unrecognized Ones, Installation von Magdalena Abakanowicz

Leider kommt das moderne Polen in diesem Bericht zu kurz. Zum Beispiel bedaure ich, nicht das riesige Einkaufszentrum und die Glasbauten in Posen fotografiert zu haben, aber so ist das nun mal auf einer touristischen Reise. 
Zum Abschluss eine kleine Gegenüberstellung zum Thema Unterkunft.  Damit kein falscher Eindruck entsteht: Wir haben in Polen stets gut geschlafen, doch die Spannweite bei 4-Sterne-Hotels ist gewaltig, siehe Fotos.

4-Sterne-Hotel in Danzig mit muggeliger Skipperkoje

4-Sterne-Hotel in Posen mit Sperrmüllflair

Und was noch fehlt: Der Radfahrer vor der Terrasse unseres Hotels in Kolberg

IMG_2023

Zuletzt noch ein kleiner Reisehinweis für Freunde der E-Zigarette, die in Polen feststellen, dass ihr Liquidvorrat nicht reicht: Nachschub gibt es bei Zabka, der Tante-Emma-Ladenkette mit dem Frosch. Es gibt dort zwar nur 3 Sorten Liquid, dafür finden sich die Läden praktisch überall.