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Mein Jahr 2020 – HE’S FIRED

Was für ein Jahr! Während das Corona-Virus ganz Deutschland (oder jedenfalls dessen verantwortungsvolle Bürger) zu Maskenträgern und Preppern machte, die Klopapier und Doseneintopf horten, war in den Medien das beklemmende Schauspiel einer Demokratie zu besichtigen, die sich selbst zerlegt – die USA auf dem Weg zur Bananenrepublik.

Flag_of_the_United_StatesTrump wollte den Washingtoner Sumpf trockenlegen, doch er selbst war der Sumpf, ein gäriger Morast, dem statt stinkender Blasen wütende Tweets in inflationären Massen entstiegen. Mit Hilfe seiner Familienbande und einer zu allem entschlossenen Clique ergebener Günstlinge hat er vier Jahre lang die amerikanische Demokratie ausgehöhlt, internationale Institutionen geschwächt, Bündnispartner düpiert und Diktatoren hofiert. Mit seinem Corona-Kurs der Untätigkeit und des Leugnens ist er verantwortlich für viele tausend Tote. Zu beobachten war, wie er mit propagandistischer Unterstützung seines Leib-und-Magen-Senders Fox News eine Alternativrealität etablierte, die in den Köpfen seiner Anhänger Wurzeln schlug. Auf permanentem Kreuzzug gegen die so genannten Fake-News-Medien begriffen, war er der größte denkbare Fake überhaupt, ein notorischer Lügner und Narzisst, der seine bodenlose Inkompetenz mit Größenwahn überspielte – der Kaiser ohne Kleider.

Ein Stoßseufzer sei erlaubt: HE’S FIRED! Ein Triumph der Demokratie aber ist das nicht. Politische Vernunft, Gesetz und Institutionen haben mit knapper Not überlebt. Die Hoffnung, Trump möge zur Rechenschaft gezogen werden, ist vage. Und schon zeichnet sich am Horizont die bedrohliche Möglichkeit einer erneuten Kandidatur im Jahr 2024 ab. Oder wird Trump seinen eigenen ultrarechten Fernsehsender gründen, um den als allzu unabhängig befundenen  Fox News einzuheizen? Abzusehen ist, dass die von Teaparty und Trump radikal entdemokratisierten Republikaner Biden das Regieren nach Kräften schwer machen werden, um sich in vier Jahren als Retter der Nation zu inszenieren. Doch egal, was in Amerika passiert: Populismus, Realitätsverleugnung  und Demokratieverachtung grassieren auch in Europa, lediglich der Personenkult ist hier (noch?) etwas schwächer ausgeprägt als in den USA. Das Social-Media-Geschrei schmerzt in den Ohren. Eine Allianz von Coronafantasten, Impfgegnern, Esoterikern, Reichsbürgern und rechtsradikalen Demokratiefeinden macht unter dem geschickt gewählten Label Querdenker von sich reden. Es heißt, es seien auch Leute dabei, die berechtigte Bedenken gegen die mit der Viruseindämmung einhergehenden Einschränkungen individueller Freiheit haben. Ich finde, durch die gewählte Gesellschaft haben sie sich selbst disqualifiziert.

KleinerDracheCoverTrotz der deprimierenden Zeitläufte war es für mich kein schlechtes Jahr, sondern eins mit unverhofft schönen Momenten.  Kein Kino, kein Theater, keine Konzerte und kein Urlaub, stattdessen ein Gefühl von Statik – ein Zeitgefühl, das dem Empfinden der Kinderzeit gleichkam, als die Sommer ewig währten. Und an einem lauen Sommerabend im Garten den Steinkauz zu beobachten und auf das Erscheinen der Fledermäuse zu warten,  während Kater Karlo die Jagd beginnt, hat auch seine Reize. Außerdem war das Jahr recht erfolgreich. Deshalb zum Abschluss eine Auflistung meiner Veröffentlichungen aus 2020. Besonders verweisen möchte ich auf meinen Roman Kleiner Drache, Angesiedelt  in einem zukünftigen isolationistischen China, das sich hinter eine neuen Großen Mauer verschanzt, erzählt er die Geschichte der achtundzwanzigjährigen Xialong, der zukünftigen Konzernchefin des Roboterkonzerns Jiqiren. Von einer Doppelgängerin verdrängt und bedroht, flüchtet sie, und es beginnt eine gefährliche Odyssee, die sie bis  nach Bangladesch führen wird – und wieder zurück nach Peking.

Kleiner Drache, Roman – p.machinery
Hier auf dem Mars, Story – Exodus 40
Expedition 13b/Regalis, Story  – Nova 29
Miau, Story – Spektrum d. Wissenschaft 6

Und noch ein Letztes: Bleibt gesund!


Fakten, Fakten, Fakten

Auch Zahlen können eine spannende Lektüre sein. Das gilt umso mehr, seit Donald Trump am 20. Januar 2017 bei seiner Inauguration eine als ‘America First’ deklarierte Drohung an Freunde wie Feinde richtete und in der Folge im Weißen Haus eine wahrheitsverdrehende, reaktionäre Clique von Jasagern installierte. Seit dieser Rede, die mir mit ihrer rückwärtsgewandten biestigen Verbohrtheit einen Schauer über den Rücken jagte, verfolge ich die amerikanische Politik aufmerksamer denn je. Neben CNN und der New York Times gehört Real Clear Politics beim morgendlichen Check der Nachrichtenlage zu meinen ersten Anlaufstellen im Netz.

RCP wurde im Jahr 2000 von McIntyre, einem ehemaligen Börsentrader, und Bevan gegründet, der aus der Werbung kommt. Beide sind eigentlich wirtschaftsliberal und eher republikanisch eingestellt, doch die Seite, die sie da auf die Beine und ins  Netz gestellt haben, kommt nicht nur politisch neutral daher, sie ist sogar ausgesprochen gelungen. Ihre Zahlen lügen nicht.

Seine Drohung hat Trump inzwischen weitgehend wahr gemacht; internationale Verträge wurden gebrochen oder aufgekündigt, das Land ist gespalten, die Regierungsinstitutionen sind bis zur Funktionsfähigkeit geschrumpft, die Behörden und das Oberste Gericht wurden mit rechtsnationalen Gefolgsleuten infiltriert und die Umweltgesetzgebung um viele Jahre zurückgedreht. Doch wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl im November signalisieren die Umfragewerte und Wettquoten (meist ein verlässlicher Indikator) zum ersten Mal Hoffnung auf eine Trendwende. Real Clear Politics mit seinen eifrigen Faktensammlern verspricht spannende Lektüre.

Polls

Quelle: Real Clear Politics

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Real Clear Politics


Mein Jahr 2019

Es war das Jahr des Klimas. In Deutschland wurde ein Allzeit-Hitzerekord gemessen: 42,6 Grad. Greta Thunbergs Schulstreik wurde von Teilen  der  deutschen Schülerschaft aufgegriffen. In Kinderköpfen und in den Medien machte sich Weltuntergangsstimmung breit. ‘Wir streiken, bis ihr handelt’, sagen die jungen Schulschwänzer. Inspiriert von ihrer Gallionsfigur, die nach eigener Aussage nur in Schwarz und Weiß denken kann, erteilen sie dem Kompromissdenken eine Absage. Die Rettung der Welt soll und muss sofort erfolgen. Tatsächlich zeichnen sich erste ‘Erfolge’ ab: Immer mehr Städte, auch meine Heimatstadt Stolberg, erklären den Klimanotstand, was immer das bedeuten mag. In Düsseldorf begehen Schulen den Warmer-Pulli-Tag, um  symbolisch mal Heizenergie zu sparen und kollektiv zu bibbern. In den Familien wird über Fleischkonsum, Urlaubsreisen und Autonutzung diskutiert. Die Älteren sitzen als Verursacher der Klimakrise auf der Anklagebank und stehen unter Rechtfertigungsdruck.

Ich gestehe, dass mir Thunbergs Rigorismus wesensfremd ist und nicht inspirierend, sondern eher bedenklich erscheint. Wie aber ist die Diagnose der jungen Wilden einzuschätzen? Ist es für Foto: nst 2016das Klima fünf vor oder fünf oder sogar schon zwanzig nach zwölf? Geht es voran oder taumeln wir auf der Klippe? Beides ist wahr. Die Datenlage ist ernst, die Auswirkungen der Klimaerwärmung sind immer deutlicher zu spüren. Andererseits leben wir in den westlichen Wohlstandsgesellschaften in vielerlei Hinsicht in der besten aller bisherigen Welten. Seit Beginn der Industrialisierung waren Luft und Wasser noch nie so sauber wie heute, die Nahrungsmittel noch nie so sicher und gesund. Bildung ist frei verfügbar, die Lebenserwartung steigt, und trotz der bedauerlichen Ungleichverteilung des Reichtums leben wir im Grunde in einer egalitären Gesellschaft, die jedem die Teilhabe an fast allem ermöglicht. Das ist eine große Errungenschaft, aber sie geht einher mit der Freisetzung einer Menge CO2. Deshalb geht auf einmal die Flugscham um und dürfte sich demnächst im Duden wiederfinden. Wenn Thunberg jedoch behauptet, ‘wir’ hätten ihr die Kindheit gestohlen (How dare you!), ist das bodenloser Blödsinn.

Die Lösung des CO2-Problems ist und bleibt eine komplexe Unternehmung, in der sich technologische Innovation und politische Entscheidungsfindung verschränken. Da hilft es nicht weiter zu sagen: Jetzt, sofort. Irgendwas. Panik ist kein guter Ratgeber, Empörung keine Anleitung zum Handeln. Letztlich stehen nicht nur die Errungenschaften des egalitären Zeitalters auf dem Spiel, sondern auch das demokratische Prinzip, wonach der Mehrheitsbeschluss durchgesetzt wird und nicht eine von wem auch immer postulierte höhere Wahrheit. Einen quasi übergesetzlichen Notstand heraufzubeschwören, ist nicht hilfreich, sondern brandgefährlich. Technische Innovation und politische Kompromisse inklusive unvermeidbarer Irrtümer aber brauchen Zeit, von der es heißt, dass wir sie nicht mehr haben. Doch Je klarer die sozialen und ökonomischen Kosten der nötigen Veränderungen hervortreten, desto stärker dürften auch die Widerstände werden.  Nicht zufällig ist die AFD in den Braunkohlegebieten im Osten am stärksten. Nicht zufällig wurde in Amerika mit Trump ein Präsident gewählt, dessen Zukunftsvision geradewegs in eine Vergangenheit der rauchenden Industrieschlote zurückweist. Der Protest der Gelbwesten in Frankreich hat sich an einer geplanten Klimasteuer entzündet, die das Benzin um zehn Cent pro Liter verteuert hätte.

Deutschland ist verantwortlich für etwa 2,2 Prozent des weltweiten Ausstoßes an CO2. Die drei größten Verursacher sind China, die USA und Indien mit jeweils 28, 16 und 6 Prozent Anteil(Quelle: Statista). Und die Trumps und Bolsonaros sind überall. In Brasilien brannte der Amazonas – Bild des Grauens und Menetekel. Schon bald werden zehn Milliarden Menschen den Planeten bevölkern. Hat also Jens Jessen recht, der in der ZEIT Nr. 42 dieses Jahres postuliert hat, Wohlstand und Gerechtigkeit zusammen werden sich niemals in globalem Maßstab verwirklichen lassen – wer das durch einen Technologiesprung für möglich hält, glaubt auch ans Perpetuum Mobile? Sorry Herr Jessen, aber das ist nicht nur naiv, sondern auch zynisch. Ich halte diese Denkweise für dummen, gefährlichen Defätismus, entsprungen einer Fantasielosigkeit, die sich eine klimaverträgliche Zukunft nur als Zementierung der globalen Spaltung in Arm und Reich vorstellen kann. 

Allerdings fürchte ich, dass wir, egal was hier geschieht, global letztlich alle Klimaziele versemmeln und alle Vereinbarungen brechen werden. Ist das schon die Katastrophe? Ich denke nicht. Auf höhere Temperaturen kann man sich einstellen. Der Übergang zur CO2-Neutralität aber könnte möglicherweise etwas länger dauern als wünschenswert wäre. Nötig sind deshalb vor allem verstärkte Forschung, Innovation und (ja, Herr Jessen!)  technologische Lösungen. Möglich, dass wir irgendwann gezwungen sein werden, CO2 der Atmosphäre zu entnehmen und es entweder zu deponieren oder als Rohstoff zu verwenden. Technisch ist das bereits machbar, aufgrund des hohen Energiebedarfs in großem Maßstab allerdings noch utopisch. Anders verhielte es sich, wenn es billige Energie im Überfluss gäbe. Vielleicht gibt es die ja bald. Frankreich, Russland, China und die USA arbeiten derzeit an der 4. Generation von Kernreaktoren, die unangereichertes Uran als Brennstoff verwenden, ganz nebenbei den vorhandenen Atommüll verbrennen soll und einen kostengünstigeren und sichereren Betrieb  ermöglichen würde, als es bei bisherigen Kernreaktoren der Fall war. 2025 soll zudem im europäischen Forschungsreaktor ITER die erste Kernfusion zünden. Die nächste Generation, die bereits Strom liefern soll, ist in Planung. Die Chinesen haben den Forschungsreaktor EAST in Betrieb genommen und glauben, ab 2050 mit Kernfusion Nettoenergie erzeugen zu können. Noch ist das Zukunftsmusik – aber sie macht Hoffnung.

Atomreaktoren? Kernfusion? Ja, mit Solardächern und Windrädern allein wird es nichts mit der Zukunft.  Wir werden viel Energie brauchen – sehr viel Energie. Die Armen dieser Welt werden nämlich nicht aufhören, nach Wohlstand zu streben. Übrigens könnten wir ohne die vorzeitige Stilllegung von Kernkraftwerken eine Menge Kohlekraftwerke außer Betrieb nehmen, die uns die CO2-Bilanz versauen. Auch die unterirdische Lagerung von CO2 ist eine Option. Um die Zukunft zu bewältigen, sollte man Risiken und Nutzen nüchtern abwägen, anstatt aus ideologischen Gründen Möglichkeiten zu verbauen. Das gilt für die Gentechnik ebenso wie für die Antriebstechnik oder das Geoengineering, Neben der solaren Wasserstoffgewinnung in großem Maßstab ist auch die Kernfusion eine Option. Sie wird nicht morgen zur Verfügung stehen, aber vielleicht schon übermorgen. Die Welt dürfte bis dahin wärmer werden. Aber sie wird nicht untergehen.

Zum Schluss noch die üblichen persönlichen Anmerkungen: 2019 ist wenig von mir erschienen, doch einige Storys sind fertig geworden und stehen zur baldigen Veröffentlichung an. Auch ein neuer Roman wurde fertiggestellt (Kleiner Drache) und ist bereits in trockenen Tüchern, das heißt, ein Verlagsvertrag ist unterzeichnet. Das Buch soll 2020 erscheinen. Auf ins Neue Jahr!

Foto: nst 2015

Mein Jahr 2018

Manchmal, ganz selten, überkommt mich das bizarre Verlangen, mich einer der geschlossenen Foren oder Facebook-Gruppen anzuschließen, die sich mit Reptiloiden,  Chemtrails, der Flacherde oder Kreationismus beschäftigen. Dahinter steht wohl einerseits Neugier, andererseits drückt sich darin möglicherweise auch der irgendwo im Verborgenen gärende Wunsch aus, die anstrengende Rationalität zumindest auf Zeit mal abzustreifen wie, nun ja, eine Reptilienhaut. Warum immerzu bloß das glauben, was man glauben soll und wissen kann, und nicht das, was man glauben will? Braucht man zum Denken wirklich das Gehirn, oder tut es nicht auch der dicke Zeh? Zum Teufel mit den verfluchten Experten und ihrem selbstverliebten Geschwafel!

Zum Einstand hätte ich meine ganze eigene Verschwörungstheorie anzubieten, und die geht so: Putin hat in einem streng geheimen KGB-Labor ein besonders tückisches Virus entwickeln lassen. Freigesetzt im verhassten liberalen, pluralistischen, demokratischen Westen, entfaltet es unbemerkt seine diabolische Wirkung und bringt die Menschen dazu, an allem zu zweifeln, was Rust and Furor - Foto: nst 2018ihnen jahrzehntelang Stabilität und wachsenden Wohlstand beschert hat. Die staatlichen und internationalen Institutionen erscheinen auf einmal obsolet, die Demokratie mit ihrer komplizierten Gewaltenteilung – ein Fliegenschiss der Geschichte. Globaler Handel nützt nur den anderen. Die EU raubt uns die Identität! Das Virus verengt den Blickwinkel, schrumpft den geistigen Horizont, setzt Logik, Selbstkritik und Anstand außer Kraft. Mehr oder weniger plötzlich dumm geworden, erliegen die Betroffenen wehrlos den abstrusesten Beschwörungen. Das Gewohnte verbreitet bleierne Langeweile, die unbezähmbare Lust auf Neues macht; schmecken die alten Gerichte fad, müssen kräftige Gewürze her. Die liefern die Tabuverletzter, Grenzüberschreiter und notorischen Vereinfacher, deren Propaganda am Facebook-Stammtisch vervielfacht wird. Hier kann jeder ein Influencer sein,  und jeder findet auch sein ganz spezielles Grüppchen, womit wir wieder bei den Flachweltlern und ihren Geistesverwandten angelangt wären.

Das ist natürlich blanker Unsinn. Und ich schwöre, ich war nie Mitglied in einer der genannten FB-Gruppen und werde es auch nie sein. Allerdings schaue ich manchmal den Kondensstreifen am Himmel hinterher und frage mich …

Schluss damit. Das Jahr 2018 hatte mehr zu bieten als Trump-Getwitter, Nationalistengedröhn und populistische Disruption. Zum Beispiel … einen Sommer. Keine westeuropäische Regenzeit, sondern einen Sommer, wie er sonst nur im Buche steht. Einen Sommer mit gelben Wiesen, braungebrannten Beinen und langen Abenden im Freien. Mediterrane Gelassenheit machte sich breit. Doch dann dehnte sich die Hitzeperiode, der Regen blieb hartnäckig aus, und störende Gedanken stellten sich ein: Ist das jetzt der Klimaumschwung? Geht es so weiter? Was kostet eine Klimaanlage? Müssen auch wir bald mit Waldbränden und sommerlichem Wassermangel leben? Wann siedeln sich die ersten Palmen an, und welche Krankheiten überträgt die Tigermücke? An der Klimaerwärmung besteht kein vernünftiger Zweifel, und die obigen rhetorischen Fragen könnten bald relevanter werden, als einem lieb ist. Dennoch habe ich den Sommer genossen und werde ihn im Gedächtnis behalten als einen, wie er sonst nur in der Erinnerung an Kindheitstage vorkommt.

Zum Abschluss der übliche Arbeitsbericht. 2018 sind für meine Verhältnisse ungewöhnlich viele Storys erschienen, nämlich vier: Das Museum der toten Dinge in Nova 25, Das Versprechen in Spektrum d. Wissenschaft 4, Wir kommen in Nova 26 und Der Wächter in Exodus 38.

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Des Weiteren habe ich eine Sammlung mit 10 SF-Storys aus den Jahren 2013 bis 2018 rausgebracht (Honeypot), und meine Romane Der Weg nach unten von 1992 sowie New York ist himmlisch von 1988 wurden bei Apex wiederveröffentlicht. Honeypot und Der Weg nach unten sind als Paperback und E-Book erhältlich, New York ist himmlisch ausschließlich als E-Book.

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Am alten Steinbruch

Ein Julitag am alten Steinbruch. Das allgegenwärtige Summen der Insekten, der Duft der blühenden Blumen und Kräuter und der Geschmack des warmen Bodens auf der Zunge beschwören einen Schatten der zeitlosen, niemals endenden Kindheitssommer herauf.

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Der alte Steinbruch

Knollen-Platterbse

Blutroter Halsbock delektiert sich auf dem Wiesenkerbel

Dolde des Wiesenkerbels vor der Entfaltung

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Traubenglockenblume

Cover-Verschwörung

Book Cover Challenge bei Facebook:

Poste eine Woche lang jeden Tag das Cover eines Buches, das Dir etwas bedeutet. Keine Erläuterung, kein Kommentar, nur das Cover. Und nominiere täglich eine andere Person.

Das Kettenbriefprinzip liegt auf der Hand. Zweifellos sind die Challenges Teil eines perfiden Plans, Facebook in einer explosionsartig anschwellenden Flut geposteter Cover zu ertränken und letztlich lahmzulegen. Buchdeckel statt Katzencontent – nun, es gibt Schlimmeres, und je nachdem, von wem man nominiert wird, kann man schlecht ablehnen. Wie sich herausstellte, machte es mir sogar Spaß zu überlegen, welche Bücher mir etwas bedeuten und warum dieses mehr als jenes. Hinzu kommt, dass man die Cover in einen Zusammenhang stellen und versteckt kommentieren kann.

Hier meine Auswahl:

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2017 – Mein Jahr

Wie das Jahr war? Nun, es gab wenig Schnecken. Im Vorjahr machten die schleimigen Weichtiere jeden Spaziergang zum Slalomlauf (ja, ich weiche Schnecken aus!) und knabberten sich durch die Blumenpracht des Gartens. Dieses Jahr gab es kaum welche – fast war man geneigt, die sporadischen Einzelgänger als Überlebende zu begrüßen. Ebenfalls bemerkenswert, dass die Kapuzinerkresse, die 2016 den Raupen zum Opfer gefallen war, diesmal bis in den Oktober hinein blühen durfte.

Und dann war da Trump. Ich muss gestehen, dass ich ein wenig besessen von ihm war. Seine Tweets, abgefeuert aus dem Zentrum des amerikanischen Wahnsinns, erreichten mich auch ohne eigenen Twitter-Account mit enervierender Regelmäßigkeit. Nach der Inaugurationsrede, mit der er Dampfmaschinenkapitalismus als Zukunftsvision zu verkaufen suchte und die wie eine Drohung an Freund wie Feind rüberkam, gab es einfach kein Entkommen mehr. Meine Fassungslosigkeit darüber, dass ein kompetenzfreies Großmaul amerikanischer Präsident Trumswwerden kann, dass ein rückwärtsgewandter, bauchgesteuerter Populist ohne Respekt vor Verfassung, Demokratie und dem Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge im Weißen Haus eine Clique aus Familienangehörigen, Karrieristen und Jasagern um sich schart, die so manche Oligarchendikatur in den Schatten stellt, erneuerte sich zuverlässig von Mal zu Mal. Die Fernsehnachrichten machten es auch nicht besser; seine Körpersprache und Mimik waren für mich ein rotes Tuch, dagegen kam ich nicht an. Erkenntnisgewinn versprachen zahllose politische Artikel, soziologische Analysen und psychologische Ferndiagnosen. Ich habe viele gelesen. Das meiste erschien mir zutreffend. Aber schlauer bin ich letztlich nicht geworden.

„Meine Unterstützer sind so klug. Das sagen auch die Umfragen. Sie zeigen, dass ich die loyalsten Anhänger habe. Wussten Sie das schon? Ich könnte quasi mitten auf der 5th Avenue stehen und jemanden erschießen, und würde trotzdem keine Wähler verlieren. Okay?! Das ist unglaublich!“

Ja, Mr. President, das ist unglaublich. Man nennt es wohl Vasallentreue. Was müsste geschehen, damit das ihm ergebene Drittel der amerikanischen Bevölkerung von seinem selbstgewählten Führer abfällt? Ich mag es mir nicht vorstellen und nehme Zuflucht bei Bertolt Brecht: Nur die dümmsten Schafe wählen ihre Schlächter selber. Offenbar befindet sich das politische System der USA in einer tiefen Krise. Die unheilvolle Allianz aus evangelikalem Fundamentalismus, einem vom Großkapital finanzierten Wahlkampf und interessengesteuertem Verblödungsfernsehen haben eine Wahrnehmungsblase erzeugt, in der Menschen ihr Fell nicht verkaufen, sondern mit Freuden verschenken, nur weil sie dazu ermuntert werden, die Sau ihrer Ressentiments rauzulassen.

Ich habe die amerikanische Politik nie unkritisch gesehen, aber trotz aller Fehler und Irrtümer war da im Innern immer auch ein Leuchten, das gespeist wurde von den Idealen der amerikanischen Verfassung und das seinen Widerschein fand in der Vitalität der im besten Sinne populären Kultur, der Literatur, der Musik und dem Film. Jetzt ist dieses Leuchten nur noch ein Glimmen. Aber dennoch: Außer dem Auftrieb, den Trump der Satirebranche verschafft hat, scheint er noch etwas anderes Gutes bewirkt zu haben, das zeigt der Ausgang der Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. Sein Rechtspopulismus ohne Maske kommt in Europa weniger gut an als bei ihm daheim. Vielen und auch mir hat seine America-First-Litanei verstärkt bewusst gemacht, wie wichtig es ist, dass die europäischen Länder politisch und wirtschaftlich mit gemeinsamer Stimme sprechen, denn nur zu gern würden die Trumps dieser Welt uns bilateral in die Mangel nehmen. Dass nach dem Brexit allerorten mit Begeisterung EU-Fähnchen geschwenkt werden, ist auch Pulse of Europe zu verdanken – eine tolle Initiative!

Und weiter mit dem Positiven. Nach Arrival im Vorjahr hat Villeneuve sich mit Blade Runner 2049 erneut als bildmächtiger  Weltenbauer erwiesen, der sich mehr für gedanklichen Hintergrund interessiert als für oberflächliche Action. Das war ein echtes Filmhighlight, von dem ich noch eine Weile zehren werde. Das gleiche gilt für meinen Lanzarote-Urlaub. Die Flugreise ist ja vong Morahl her in manchen Kreisen anrüchig geworden, deshalb wäre es vielleicht opportun, von einer Expedition zu sprechen (cool). Tu ich aber nicht. Viele Jahre lang habe ich mir gewünscht, die schwarzen Strände und die Vulkanlandschaften wie von einem anderen Stern kennenzulernen,  jetzt war es so weit. Und ja, es war eine Luxusreise, aber ich bereue nichts!

Last but not least sind ein paar Veröffentlichungen zu vermelden. Anfang des Jahres ist bei Heyne mein Roman Kolonie erschienen, der das Schicksal der ersten extrasolaren Weltraumkolonisten erzählt, dreißig Jahre nach der Ankunft auf dem Planeten Corazon – eine melancholische Bestandsaufnahme, die letztlich neue Handlungsoptionen eröffnet. Es folgten die Storys UWU XP4 macht den Touring-Test in Spektrum der Wissenschaft und Andrea/s im Erker, wo auch ein längeres Interview mit mir erschienen ist. Für mich eine besondere Freude: Die Neuveröffentlichung meines Romans Der Weg nach unten von 1992.

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