Archiv der Kategorie: Technik

Red Dead Redemption II – Der Ruf des Wilden Westens

1 – Angespielt

Eins vorweg: Ich bin kein Zocker. Eine Partie Schach oder einen zünftigen Doppelkopfabend ziehe ich dem Gaming am Bildschirm allemal vor. Meine Erfahrungen mit Computerspielen lassen sich mühelos an einer Hand abzählen und endeten alle in einer Sackgasse. Bei Leisure Suit Larry irrte ich  Larry auf der Straßeverwirrt und unbeweibt auf der Straße herum, bei Space Quest blieb ich in einer Weltraumfahrerkneipe hängen, ohne jede Aussicht auf den Erwerb eines Raumschiffs, und bei Mafia, meinem dritten Versuch, war in einer Kirche Schluss – der geweihte Boden war zwar gepflastert mit Leichen, wie die Storyline es verlangte, doch ich konnte den verdammten Ausgang nicht finden. Vermutlich hatte ich irgendwas Essentielles übersehen und hätte einen früheren Spielstand laden müssen, um das Versäumte nachzuholen – Nachsitzen am Computer, nicht mein Ding. Das Spiel war unflexibel und dumm.

Jetzt also ein neuer Versuch mit Red Dead Redemption II. Die enthusiastischen Rezensionen in den Feuilletons renommierter Publikationen wie FAZ, ZEIT und NYT waren mir Anlass genug, mal etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Eine XBox One X mit Wasserkühlung und einem Terabyte Speicherplatz sollte es schon sein, wegen des im Vergleich zur PS4-Konsole leiseren Laufs und XBox Controllerder zu erwartenden besseren Grafikleistung mit 4K-Auflösung und UHD-Unterstützung, um endlich mal die Fähigkeiten meines Fernsehers so richtig auszureizen. Im Black-Friday-Angebot zu 379 Euro war Shadow of the Tomb Raider dabei, Gelegenheit, mal ein bisschen den Umgang mit der neuen Technik einzuüben (die Lieferung von RDR II sollte noch 2 Tage auf sich warten lassen). Die erste Überraschung: das haptische Feedback des Controllers. Mit Gebrumm und Gerüttel verpasst er dem Flugzeugabsturz in der Eingangssequenz des Spiels eine unerwartet dramatische Note.  Die zweite Überraschung: Das ist ja fast wie im Film! Flüssiger Bildlauf, keine Artefakte, viele Details. Nach einem kurzen Aufenthalt bei einem grellbunt inszenierten mexikanischen Totenfest geht’s hinunter in eine unterirdische Pyramide. Da warten natürlich jede Menge Fallen. Also ducken, springen, klettern, abseilen, tauchen, Gegenstände Lara hat etwas gefundensammeln. Lara wirkt, ich sag’s mal so, sympathisch und nimmt trotz eifrigster Sammelei nicht an Körperumfang zu. Sie trägt auch keinen Rucksack, aber egal. Ich lerne, die richtigen Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt zu drücken. Das Spiel speichert automatisch nach jeder haarigen Situation. Wenn man eine Turnübung versemmelt hat und einen der vielen Tode gestorben ist, geht es also zügig weiter mit einem neuen Anlauf zur Hindernisbewältigung. Diese permanente Wiedergeburt kam mir schon bei meinem Mafia-Experiment unlogisch vor. Und nachdem der erste Wow-Effekt abgeklungen ist, fühle ich mich wie die Versuchsperson in einem erweiterten Lernexperiment für Affen. Leider erweise ich mich als ziemlich lernresistent. Zum Glück gibt’s Hilfe im Internet in Form von Komplettlösungen. An der abstrusen Geschichte und den peinlichen Dialogen ändert das freilich nichts. Mir wird langweilig, und im Kopf macht sich wattige Leere breit. Also warten auf RDR II.

Dann ist es da. Und wieder Wow! Auch hier ruckelt nichts, Framerate und Auflösung lassen keine Wünsche offen, und der Einstieg in die Geschichte ist beeindruckend. Die Handlung spielt 1899, der Wilde Westen ist fast schon Vergangenheit, und am fernen Horizont lodern die Schlote der Industrialisierung. Es ist Winter. Planwagen und ein paar Reiter bahnen sich einen Weg durch einen Schneesturm: verfrorene Gesichter, heulender Wind, die klirrende Kälte nahezu greifbar. Doch das sind keine Siedler, sondern eine von den Hütern des Gesetzes gejagte Gang. Zuflucht bietet eine leerstehende Farm. Eines der Bandenmitglieder ist unterwegs verstorben und wird von meinem alter Ego Arthur Morgan mit bewegenden Worten verabschiedet. Schon in dieser Szene zeigt sich, wie stimmig die Dialoge sind. Ich schalte die deutschen Untertitel aus, die lenken zu sehr ab. Dann geht es auch schon auf Nahrungssuche. Die Konsolensteuerung wird eingeübt. In einer anderen nahe gelegenen Farm werden wir fündig, doch andere Bösewichter waren schon vor uns da. Es kommt zum ersten Feuergefecht: Waffe ziehen, zielen, schießen, nachladen. Was Computerkids vermutlich nur ein müdes Grinsen entlockt, ist für mich alles andere als eine leichte Übung. So ähnlich hat sich vermutlich seinerzeit meine Mutter gefühlt, als ich ihr die Bedienung einer Maus beizubringen versuchte. Aber da muss ich durch. Bei der sich anschließenden Begegnung mit Wölfen stellt sich heraus, dass auch hier die Spielfigur sterben kann. Vermutlich wird sie es im Laufe dieses epischen Spiels noch viele Male tun. Aber irgend etwas ist anders als bei Lara Croft. Das Game fühlt sich erwachsener an. Die von 200 Tierarten bevölkerte Natur wirkt authentisch, die Detailfülle ist frappierend. Überall kreucht und fleucht, huscht und krabbelt es, das Gras und das Laub bewegen sich im Wind, das Wetter wechselt ständig, die Kleidung wird schmutzig und beim Baden im Fluss wieder sauber. Streichelt man einen Hund, wedelt er bei der nächsten Begegnung freundlich mit dem Schwanz. Die Siedlungen sind bevölkert von Leuten, die scheinbar eine eigene Agenda haben. Die Spielfiguren zeigen im Rahmen ihrer engen Programmierung Ansätze von Charakter, und Arthur Morgan ist bemerkenswert ‘gebrochen’: ein mal humorvoller, mal zynischer Halunke mit Reibeisenstimme und ausbaufähigem menschlichem Kern. Im Laufe der Zeit lerne ich jagen und häuten, sitze am pittoresken Lagerfeuer und erkunde die Landschaft. Hin und wieder pokere ich im Saloon mit zwielichtigen Gestalten. Für Falschspieler habe ich da was am Gürtel. Gewinne ich, gönne ich mir einen Besuch beim Friseur. Meinen eigentlichen Job lasse ich vorerst schleifen. Überfälle sind nicht so mein Ding. Aber mal sehen, was noch passiert.

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2 – Ausgespielt

Was macht einen großen Western aus? Er ist episch und tragisch und stellt das menschliche Streben, Irren und Scheitern in eine großartige Landschaftskulisse, die dem unausweichlichen Verhängnis eine tröstliche Schönheit verleiht.

Dies alles trifft auf Red Dead Redemption II zu, und in diesem Sinne – und nicht nur in diesem – ist es eine große Westernerzählung. Die New York Times hat recht: Die pralle Schönheit der Natur, die komplexen Charaktere und lebendigen Dialoge, die Inszenierung, Kameraführung, das Licht und nicht zuletzt die kongeniale Musik machen dieses Game zu einem Kunstwerk. Blicke ich auf das Spielgeschehen zurück, sehe ich eine lange Kette großer und kleiner Ereignisse, manche bizarr und komisch, einige nervenzerfetzend spannend, andere rührend oder dramatisch. Nicht ohne einen gewissen Stolz kann ich sagen, dass ich mich bemüht habe, meine Spielfigur Arthur Morgan so anständig durch das Geschehen zu führen, wie es unter den Prämissen des Spiels möglich ist. Arthur hat Hunde gestreichelt, Pferde gestriegelt, Blinden Geld gespendet und einen entlaufenen Sträfling von seinen Fußfesseln befreit, was freilich erst bei der zweiten Begegnung gelang, da es ihm bei der ersten im Gebrauch des Schießeisens noch an Übung mangelte. Er hat 10.12.2018_22-08-56-scwevfzkEntführte befreit, umgekippte Kutschen aufgerichtet, verirrte Ladies in die Stadt zurückgebracht und an der Seite der Indianer gegen eine skrupellose Erdölfirma gekämpft. Er hat einem kleinen Jungen geduldig das Angeln beigebracht und beim Schuldeneintreiben auch schon mal ein Auge zugedrückt. Er ist wunderbaren Charakteren begegnet: der amazonenhaften Sadie Adler mit dieser umwerfend brüchigen Stimme, dem versoffenen Uncle, dem wortkargen Indianer Charles und vielen anderen. Und ja, er war auch an Zugüberfällen, Bankraub und Diebstahl beteiligt. Wenn Dutch, der Anführer der Outlawbande, einen verwegenen Plan vorstellte, der es seiner ‚Family‘ endlich ermöglichen sollte, die Verfolger dauerhaft abzuschütteln und irgendwo, am besten auf Tahiti, ein neues, ehrliches Leben zu begegnen, hat er nicht nein gesagt, sondern mitgemacht, obwohl er seinen Versprechungen immer weniger glauben konnte. Arthurs Sarkasmus wurde entsprechend beißender, und während die Bande zerfiel, schwand seine Hoffnung, bis nichts mehr davon übrigblieb. Doch auch als bei ihm Tuberkulose diagnostiziert wurde (damals eine unbehandelbare Krankheit mit tödlichem Ausgang), ritt er unermüdlich weiter. Es tat weh, seinen körperlichen Verfall mitzuerleben, und es war aufwühlend, seinem letzten Aufbäumen beizuwohnen.

Im Nachhinein bedaure ich, nicht genug Zeit in der Spielwelt verbracht zu haben. Zweieinhalb Monate mögen viel erscheinen, doch es gab so viel mehr zu tun und zu entdecken. Ich hätte mich am Trapperleben versuchen und offener sein sollen für Begegnungen mit Fremden. Und auch die eine oder andere Pokerpartie habe ich versäumt. Und ich denke mit einer gewissen Sehnsucht an die langen Ritte bei Tag und bei Nacht zurück, an die Regenschauer und Gewitter, den funkelnden Sternenhimmel über dem Lagerfeuer. Ich habe gelesen, es gebe eine Fast-Travel-Funktion, die es ermöglicht, im Handumdrehen von Ort zu Ort zu reisen. Also ehrlich: Wer die benutzt, versäumt das Beste.

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Copyright der Bilder aus RDR II: Rockstar Games

Ein E-Bike. Langweilig!

Das rief mir jemand hinterher, als ich an ihm vorbeifuhr. Sein Frust war verständlich, hatte er doch absteigen müssen, von einer gar nicht so großen Steigung um den Atem gebrach. Ich hingegen schnurrte locker im sechsten Gang dahin. Sorry! Aber langweilig ist ein E-Bike gewiss nicht, im Gegenteil. Wer sich beim Fahrradfahren abstrampeln möchte, kann das übrigens auch mit dem E-Bike tun, hat dann allerdings ein paar Kilos mehr zu bewegen. Der eigentliche Bestimmungszweck aber ist der situationsangepasste Wechsel der Antriebsstufen, die den Krafteinsatz je nach Terrain und Tagesform mal mehr, mal weniger unterstützen. Die Folge ist eine ungewohnt gleichmäßige Fortbewegung, eine Art Gleiten, das beinahe das Gefühl des Fliegens vermittelt. Aufgrund der im Schnitt schnelleren und weniger anstrengenden Fortbewegung ist die Reichweite auf einmal stark erweitert, das heißt, auch von daheim aus erschließt man sich ganz neue Strecken und Ausblicke. Wunderbar!

Hercules Futura F8 Gates

Für mich standen Komfort und unkomplizierte Wartung ganz oben auf der Wunschliste. Deshalb habe ich mich für ein Hercules Futura F8 mit Shimano 8-Gang-Nabenschaltung, Bosch-Active-Line-Mittelmotor und Gates-Riemenantrieb mit Rücktritt entschieden. Und das Negative gleich vorweg: Das Fahrgefühl ist nicht besonders stabil, was möglicherweise der schrägen gefederten Vordergabel geschuldet ist – kein Vergleich zu meinem Hercules-Rad aus Kindertagen. Freihändig fahren ist also nicht drin, und es empfiehlt sich, beide Hände brav am Lenker zu lassen, wenn das Terrain ein wenig holpriger ist. Das war’s auch schon mit der Nörgelei. Das Fahrrad macht rundum Spaß, die Motorleistung reicht für die Voreifelgegend aus, das Schalten mit dem Drehgriff ist eine Freude. Natürlich schrumpft die Reichweite, wenn man die hohen Antriebsstufen bevorzugt, aber etwa 70 Kilometer sind auch dann noch drin. Der besondere Clou an dem Ding aber ist zweifellos der kettenlose Antrieb. Endlich keine ölverschmierten Hosenbeine mehr! Der karbonverstärke Riemen braucht nicht geschmiert zu werden und läuft zudem auch besonders leise. Weitere Gimmicks sind der USB-Ladeanschluss und die angeblich ‘unplattbaren’ Marathon-Reifen. Fazit: Auch für einen Preis von etwa 3000 € eine lohnende Anschaffung mit höchstem Nutzwert.

Gates-RiemenHinterradnabe mit Gates-Riemen

eM Client – Mail und Kalender ohne faule Kompromisse

Email – die selbstverständlichste Sache der Welt? Nicht ganz, wenn man im Microsoft-Universum zu Hause ist. Dabei war die Idee eigentlich bestechend: eine Software, eine App für PC, Tablet und Handy, zuständig für Email, Kontakte und Kalender. Mit Windows 10 schien die Verwirklichung nah, doch inzwischen wurde die Produktion der Lumia-Handys eingestellt, die Zukunft von Winphone ist ungewiss, und dann wurde auch noch hauseigene Software lahmgelegt.

Jahrelang war ich treuer Nutzer von Windows Live Mail, das in dem kostenlosen Microsoft-Softwarepaket Live Essentials enthalten ist. Doch die letzte Version stammt von 2012, das Programm wird nicht mehr weiterentwickelt. Microsoft hat sogar darauf verzichtet, eine Anpassung vorzunehmen, die den Abruf von Outlook-Mails nach dem aktuellen Standard ermöglicht, auch die Synchronisation mit dem Windows-Kalender ist nicht mehr möglich. Da ich neben dem Outlook-Konto vor allem T-Online-Mail benutze, führte dies zu einem unschönen Hin-und-Her zwischen Mail-App und Live Mail, denn die App mit ihrem eingeschränkten Funktionsumfang ist nun wirklich kein Ersatz für eine komplette Email-Software.

Irgendwann begann also die Suche nach einem Ersatz. Outlook war mir zu teuer.  Thunderbird habe ich zwei Mal getestet, doch die abgestandene Optik und die umständliche Kalender-Integration führten beide Male zum baldigen Löschen. Dass ich erst jetzt auf eM Client aufmerksam wurde, liegt wohl daran, dass ich nach einer kostenlosen Software gesucht habe, und gratis ist eM Client nur bei der Nutzung von bis zu zwei Mail-Konten. Egal. Ich habe es getestet und werde wohl dabei bleiben.

Nach der Installation überrascht eM Client gleich in mehrfacher Hinsicht:

  • klare Optik
  • spielend leichte Konfiguration
  • großer Funktionsumfang
  • mühelose Kalenderintegration

Die Aktivierung des Imap-Kontos, die bei Live Mail immer etwas kniffelig war, gelang problemlos, in Live Mail gespeicherte Mails wurden eingelesen, die Kontakte und Kalender fehlerfrei synchronisiert. Das hatte ich so nicht erwartet. Das Programm ist zudem über zahlreiche Optionen und mit mehreren Themes umfassend zu personalisieren. Zu meiner besonderen Freude ist jetzt auch das Erstellen einer Html-Signatur kinderleicht. Nach Ablauf der einmonatigen Testphase werde ich mir eine so genannte Profi-Lizenz holen. Die kostet 40 Euro für die aktuelle Version, bzw. 80 Euro für lebenslange Updates. Bei Abnahme mehrerer Lizenzen wird ein ordentlicher Rabatt gewährt. Ich kann die Software für alle, die nach einem neuen Kommandozentrum für Mail und Kalender suchen, empfehlen.

Download eM Client

Powershoppen

Der alte Fernseher zeigte Ausfallerscheinungen, ein neuer musste her, natürlich mit allerneuester, allerbester Technik. Aber wie so oft lauerte der Teufel im Detail. Eigentlich sollte man ja meinen, die mit 3-D, UHD, WLAN und allen erdenklichen Smartfunktionen ausgestatteten Fernseherboliden beherrschten wenigstens die archaischen Grundfunktionen, die bereits ihre röhrenbestückten Vorgänger anzubieten hatten. Weit gefehlt. Beim ersten internetgeshoppten Modell (ein Philips 7509) brummte der Kopfhörer. Ich höre gern über Kopfhörer, da ist ein solcher Fehler ein Knock-Out-Ding. Beim zweiten (noch mal das gleiche Modell) brummte ebenfalls der Kopfhörer; dass zudem der Bildschirm gesplittert war, kann man freilich nicht der Technik ankreiden. Beim dritten Modell (Philips 7100) rauscht es in dem einen Kanal, dafür kommt der Ton dort nur gedämpft an. Der analoge Ausgang steht offenbar nicht gerade im Fokus der Entwicklungstechniker besagter Firma. Kurz davor, einen vierten Shoppingversuch zu wagen, diesmal mit Sony, probierte ich den optischen Ausgang aus. Jetzt brummte der dadurch notwendig gewordene Kopfhörerverstärker (SMLS Tarion) vor sich hin. Schließlich die rettende Idee: ein über Toslink-Kabel verbundener D/A-Wandler (Deluxecable Digital), daran angeschlossen ein regelbarer Funkkopfhörer (Sennheiser). Jetzt rauscht und brummt es nicht mehr, aber auf den Workaround muss man erst mal kommen.

Jedenfalls ist das Ambilight schön bunt.

Philips PUK7100, 108 cm

Passivkühlung beim PC – das Phänomen der Stille

Mein erster PC war von Commodore und kostete 3000 Mark. Damals wurde die RAM-Kapazität noch in Megabyte angegeben – ich entschied mich für die schwächere (und billigere) Variante. Das Mooresche Gesetz, wonach die Rechenleistung sich alle 12 bis 24 Monate verdoppelt und dementsprechend auch die Softwareanforderungen steigen, war mir unbekannt. Programme wurden der Rechenmaschine mit Disketten zugeführt, die buchstäblich floppy waren. Windows und Internet waren noch nicht erfunden, der Zugriff auf die weite Welt erfolgte über ein illegal an die Telefonbuchse gefriemeltes Modem, das sich mit minutenlangem Zirpen in eine Mailbox namens Öcher Maus einwählte – oder auch nicht. Der Monitor zeigte bernsteinfarbene Buchstaben auf schwarzem Grund an, das galt als Riesenfortschritt.  Und die Festplatte knarzte, und die Lüftung rauschte und ratterte.

Während die Monitore farbig wurden und die Bilder in den PC kamen und allmählich laufen lernten, wechselten sich die PC-Modelle ab. Stammte das erste noch aus einem Passiv gekühlter PCBürofachgeschäft, holte ich mir die nächsten im Elektromarkt. Die Leistung nahm tatsächlich zu, wenn auch nicht unbedingt schneller als die softwarebedingten Anforderungen. Die Geräuschkulisse allerdings erwies sich als Konstante, lediglich die Lautstärke und Frequenzverteilung variierten. Bei jedem Auspacken eines neuen Geräts stellte sich die spannende Frage: Ist es leiser oder lauter als das alte? Manchmal war es leiser, öfters auch lauter. Einmal brachte ich eine Kiste, deren Geräusch einen Traktor simulierte, zu einer PC-Werkstatt und bat um den Einbau leiser Lüfter. Die Reaktion war ungläubiges Staunen. Vermutlich hielt der gute Mann ein kerniges Arbeitsgeräusch für den Beweis von Leistungskraft.

Um die Jahrtausendwende wurde das Lüftergeräusch zum Thema. Offenbar gab es immer mehr Menschen, die sich ihre moderne Arbeitsumgebung anders vorstellten als einen Fabrikarbeitsplatz  des industriellen Zeitalters. Die Wasserkühlung im PC sehe ich skeptisch. Als ehemaliger Aquarianer verfügte ich über Erfahrung mit summenden Pumpen, gebrochenen Schläuchen und tropfenden Kupplungen. Kleine Firmen nahmen sich unterdessen der Luftkühlung an. Die ersten Luftkühler waren wohl etwas knapp bemessen, denn es wurde von kokelnden Netzteilen und überhitzten Prozessoren berichtet. Aber natürlich fand auch hier der Fortschritt statt. Schnelle und stromsparende Prozessoren werden zu erschwinglichen Preisen angeboten. Und das Lüftungskonzept ist über das reine Experimentierstadium hinaus. Ich entschied mich für einen Silentmaxx-PC mit Intel Prozessor i5-4590-T, 8 GB RAM und 250 GB  SSD Samsung 850 Evo. Untergebracht ist die Technik in einem perforierten Gehäuse. Die Prozessorwärme wird über Heatpipes in die beiden Lamellenkühler abgeleitet. Im Officebetrieb ist das davon aufsteigende Lüftchen nur lauwarm. Die mit Core Temp ausgelesene Prozessortemperatur beträgt bei Textverarbeitung mit Musikwiedergabe um die 37° Celsius bei einer Leistung von 18 Watt und 22° Umgebungstemperatur, daran gibt es nichts zu beanstanden. Das Ding ist nicht nur mordsschnell und braucht beim Starten lediglich 7 Sekunden bis zur Passworteingabe, es ist auch tatsächlich unhörbar. Nicht einmal das Netzteil summt. Ein wundervolles Gefühl nach jahrelanger Beschallung. Geht doch!

Zufällig ist auch in der Online-FAZ gerade ein Artikel zum Thema erschienen: Der lautlose Rechner

Nachtrag: Inzwischen hat der Rechner den ersten Sommer in einem Flachdachbüro überstanden, bei Temperaturen bis 29 Grad. Der Prozessor wurde nicht heruntergetaktet, no Problem.

Geocaching – ran an den Schatz!

In jedem Manne ist ein Kind versteckt; das will spielen … heißt es bei Nietzsche (Zarathustra). Kriegt Mann erstmals ein Smartphone in die Hände, trifft das sicherlich zu, denn schnell wird klar, dass es hier nicht vorrangig ums schnöde Telefonieren geht. Vielmehr hat er einen leistungsfähigen elektronischen Werkzeugkasten vor sich, den es mit den entsprechenden Apps zu bestücken gilt.

Stimmt es eigentlich, dass die Taschenlampe die beliebteste App ist? Jedenfalls darf sie auf keinen Fall fehlen. Dann kommen Wettervorhersage, Trip Advisor, Hotelsuche, Webradio, Skype, Musiksammlung, Karten, Navigation und Kompass 7 von 8hinzu, und vielleicht stößt man irgendwann  auch aufs Geocaching. Ich habe vor Jahren davon gelesen. Damals brauchte es für die GPS-gestützte Schatzsuche noch spezielle Empfänger, die es mit meist teurem Kartenmaterial zu bestücken galt. Heute reicht jedes beliebige Smartphone aus. Lädt man sich eine Geocaching–App herunter und lässt sich die Umgebungskarte anzeigen, tauchen auf dem Display zahlreiche Fragezeichen und Symbole auf. Das sind die so genannten Caches. Überraschend ist die Entdeckung, dass der nächste Schatz gerade mal ein paar Schritte von der Haustür entfernt ist. Überhaupt wimmelt es auf der Karte geradezu von Verstecken. Offenbar gibt es eine gar nicht so kleine Subkultur von Geocachern, die im Verborgenen ihrem Hobby nachgehen. Und tatsächlich: Allein bei Geocaching.com sind über sechs Millionen Cacher sowie über zweieinhalb Millionen Caches weltweit registriert.

Und wie funktioniert’s? Man wählt auf der Portalseite einen Cache aus, loggt ihn in der App und navigiert sich möglichst dicht an das Versteck heran. Erfahrungsgemäß bleibt aufgrund der GPS-Ungenauigkeit zuletzt ein Kreis mit mehreren Metern Durchmesser übrig, in dem sich der Cache befindet. Dann heißt es suchen – unter Steinen, in Bäumen, Höhlen. Meist findet man eine wasserdichte Plastikbox, darin ein Logbuch, in das man sich mit seinem Profilnamen einträgt, und ein paar Gimmicks. Es gilt die Regel, wer etwas zurücklässt, darf auch etwas mitnehmen. Zuletzt packt man die Kiste wieder so weg, wie man sie gefunden hat, und loggt den Fund auf seinem Konto.

Was das alles soll? Ich finde, es gibt fadere Freizeitbeschäftigungen. Natürlich geht es nicht nur um die Caches, sondern auch um Entdeckungen. Sich an unbekannte Orte führen zu lassen, hat seinen eigenen Reiz. Für Spaziergehmuffel mit Motivationsschwäche, Gewohnheitstiere und solche, die sich eh gern im Freien bewegen, eine tolle Sache. Und natürlich nicht nur was für kleine und große Jungs, sondern auch für kleine und große Mädchen.

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Cache Kloster Maria Königin Zweifall, GC 11FKF

 


Geocaching-Sites

Geocaching.com
Opencaching.de

Empfehlenswerte Apps für Windows-Smartphones

Geocaching Live
Geocaching Pro

Für andere Betriebssysteme gibt es im zuständigen Store natürlich entsprechende Apps.

Windows 8.1 – Zurück in die Zukunft?

Softwareentwicklung ist eine undankbare Sache. Da werkeln viele tausend Programmierer und Designer wochen- und monatelang, schreiben mehr als 50 Millionen Zeilen Code zusammen, das Programm ist gespickt mit Verbesserungen und läuft stabil und schnell, auch auf älteren Rechner – und der Erfolg am Markt wird entschieden von ein paar Kleinigkeiten.

Das Urteil von uns Usern ist oberflächlich – wie sollte es auch anders sein? Bei der täglichen Arbeit ist nun mal die Oberfläche des Programms, Screenshot 2013-11-02 15.18.50sein Look-and-Feel, ganz entscheidend. Hier ein Klick zu viel, dort ein ungewohntes Icon und als Sahnehäubchen womöglich ein Farbdesign, das einem Zahnschmerzen bereitet, schon ist das Urteil gesprochen, der Daumen gesenkt. Windows 8 mit seiner dualen Oberfläche von gewohntem Desktop auf der einen Seite und den Kachel-Apps auf der anderen war ein Affront für alle PC-Gewohnheitstiere. Und wo war eigentlich der Startknopf abgeblieben?

Win 8.1, das von allen Win-8-User als kostenloses Update über den Store eingespielt werden kann, ist so zu sagen der Relaunch eines wenig erfolgreichen Betriebssystems. Hier die Neuerungen im Überblick:

Startknopf
Ja, er ist wieder da, und zwar unten links, wo er hingehört. Zwar führt er weiterhin auf die Kacheloberfläche, doch mit Rechtsklick kann der Rechner nun auch einfacher heruntergefahren oder in den Energiesparmodus versetzt werden als zuvor über die Charms-Leiste.

SkyDrive
Der Cloudspeicher Skydrive ist nun ins System integriert und in der Navigationsleiste im Explorer sichtbar.  Man kann den lokalen Benutzerordner als standardmäßigen Speicherort nutzen – aber wer will das schon?

Bing-Suche
Die Suchfunktion der Kacheloberfläche umfasst nun auch personalisierte, standortbezogene Online-Suchergebnisse über Bing. Neben lokalen Dateien werden auch dazu passende Webergebnisse wie Bilder und Links angezeigt. Das ist praktisch, noch schöner wäre es freilich, man könnte statt Bing auch Google einbeziehen, denn das liefert immer noch die besseren Suchergebnisse.

Skype und Internet Explorer 11
Mit dem Internet Explorer 11 kann man Telefonnummern auf Websites bei Bedarf direkt via Skype anrufen. Unterstützte Websites bieten einen speziellen ‘Lesemodus’. Dabei wird der reine Textanteil eines Artikels neu formatiert und auf einem neutralen Hintergrund angezeigt. Ist wohl eher für Pads und Notebooks sinnvoll.

Neue Apps
Einige Apps wurden verbessert, zum Beispiel bietet die Foto-App jetzt auch einfache Bildbearbeitungsfunktionen. Hinzugekommen sind u. a. folgende Apps:

  • ‘Wecker’ mit integrierter Stoppuhr
  • ‘Hilfe und Tipps’ zur Bedienung von Windows 8.1
  • ‘Audiorekorder’ und ‘Taschenrechner’ wie schon aus Win 7 bekannt
  • ’Scannen’, eine einfache Scanner-App, die sich besonders dann anbietet, wenn die gewohnte Software und Win 8.1 Mucken hat
  • ‘Essen & Trinken’, ein hübsches interaktives Kochbuch mit Rezepte-Sammlungen

Fazit
Microsoft hat einiges getan, um änderungsscheue User mit dem neuen Betriebssystem zu versöhnen. Wesentlich tragen dazu der wiederauferstandene Startknopf und die besser personalisierbarere Kacheloberfläche bei. Frei wählbare Kachelgrößen, mehr Farben und die Möglichkeit, den eigenen Desktop als Hintergrund zu wählen, bringen ein bisschen mehr Leben in die Bude und lassen die Kachelwelt nicht ganz so aufgesetzt erscheinen.  Erwähnen sollte man auch, dass man nun bis zu drei Apps nebeneinander darstellen kann und dass die Wetter-Kachel jetzt schöner gestaltet ist und mehr Informationen bringt. Das sind Kleinigkeiten, aber in der Gesamtheit haben sie zumindest bei mir dazu geführt, dass ich mit dem Programm weniger fremdele. Das ändert aber nichts daran, dass die touchoptimierte Zweitoberfläche von Win 8 für PC-User so gut wie keinen realen Mehrwert  hat. Ob sich die duale Oberfläche irgendwann in die Rubrik ‚Erfindungen, die die Welt nicht braucht‘ einreihen oder evolutionär durchsetzen wird, muss sich erst noch erweisen. Aber vielleicht koche ich ja mal was von dieser Küchen-App.

Siehe auch: Ein PC ist kein Handy