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Dresden Schande

Elbtal, Semperoper, Zwinger – das touristische Sonnenscheingesicht Dresdens hat dicke braune Flecke gekriegt.  Die aktuelle Inkarnation des Wutbürgers ist besonders hässlich. In einer Gegend, wo es kaum Migranten gibt, fürchten ältere Herrschaften sich vor ‘Überfremdung’, während junge Männer gegen die ‘Lügenpresse’ angrölen. Einpeitscher Bachmann fordert ‘eine andere Demokratie’, von der zu befürchten steht, dass sie nicht sehr demokratisch ausfallen würde. Ein überforderter Bürgermeister stammelt Hilfloses, und über allem schwebt unsichtbar Schutzpatron Putin. Der hat sich der lästigen Vielfalt in Presse und Gesellschaft längst erfolgreich entledigt: ‘Putin hilf!’

Eine politikverdrossene Minderheit will nicht länger Minderheit sein, schon klar. Statt Argumenten liefert sie Vorurteile. Kritik prallt an ihr ab. Dialog ist nicht erwünscht, man will recht haben und recht bekommen. Immerhin hat sie es verstanden, ihren monströsen Namen zum handlichen PEGIDA zu komprimieren. Und sie hat ziemlich erfolgreich den Leipziger Revolutionsslogan ‘Wir sind das Volk!’ usurpiert, eine dreiste Verdrehung, die den Neid so mancher Propagandaabteilung erregen dürfte. Aber die Wahrheit ist auf der Straße, man lese die Transparente! Wer Populisten folgt, wird zum Pöbel.

Der denunziatorische Begriff ‘Lügenpresse’ wurde heute zum Unwort des Jahres 2014 erklärt. Gratulation an die Jury zu dieser Entscheidung!

Hier die Begründung im Wortlaut:

Das Wort „Lügenpresse“ war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien. Gerade die Tatsache, dass diese sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als „besorgte Bürger“ skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte, macht ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen. Dass Mediensprache eines kritischen Blicks bedarf und nicht alles, was in der Presse steht, auch wahr ist, steht außer Zweifel. Mit dem Ausdruck ‘Lügenpresse’‘ aber werden Medien pauschal diffamiert, weil sich die große Mehrheit ihrer Vertreter bemüht, der gezielt geschürten Angst vor einer vermeintlichen „Islamisierung des Abendlandes“ eine sachliche Darstellung gesellschaftspolitischer Themen und differenzierte Sichtweisen entgegen-zusetzen. Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.

Quelle: http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=44

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