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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

In Ebbing, Missouri, scheint die Zeit stehengeblieben. Ein trügerisch goldenes Licht liegt über diesem amerikanischen Süden. Farbige und Schwule sind immer für eine Zote gut, die Cops glauben, sie hätten das Recht gepachtet, in der Kneipe wird gesoffen und Billard gespielt wie eh und je, und Wähler der Demokraten kann man mit der Lupe suchen – Trump Country. Hier gilt die Moderne als Bedrohung  und mit ihr alles, was Veränderung bedeuten könnte.

In gewisser Weise gilt dies sogar für Mildred Hayes, gespielt von der wunderbaren Frances McDormand, die hier (wie auch in dem ebenfalls mehr als sehenswerten Drama Olive Kitteridge) wieder einmal in ihrer Paraderolle zu sehen ist. Mildred hat das Leben übel mitgespielt: Erst hat ihr prügelnder Ehemann sie wegen eines hübschen Dummchens verlassen, dann wurde ihre Tochter vergewaltigt und verbrannt. Die Polizei hat die Ermittlungen längst ergebnislos eingestellt. Da kommt Mildred auf die Idee, drei Werbetafeln anzumieten, die titelgebenden Billboards, darauf drei schlichte Sätze:  ‘Raped While Dying’, ‘Still No Arrests?’ und ‘How come, Chief Willoughby?’ Das  missfällt nicht nur dem verantwortlichen Chief. Auf einmal ist die geliebte Friedhofsruhe in Gefahr.

Während Mildred dem sozialen Druck mit sturköpfiger Beharrlichkeit widersteht, werden die drei Billboards zum Katalysator, der erst die den Verhältnissen innewohnende Brutalität sichtbar macht und sie dann auseinanderbricht. Dieser Prozess wird in glasklaren Bildern als stilles, gleichwohl atemberaubendes Schauspiel erzählt. Wenn ein Gegner zum heimlichen Unterstützer wird, wenn der schlimmste aller Cops sich am Ende zusammenschlagen lässt, um an die DNA des vermeintlichen Täters zu gelangen, meint man, kleinen und größeren Wundern beizuwohnen. Dabei haben die Wandlungen und Wendungen nichts Märchenhaftes an sich. Alles ist in den Figuren angelegt und entfaltet sich folgerichtig. Dass damit auch die Sichtweisen des Zuschauers hinterfragt und seine Erwartungen gesprengt werden, ist mit ein Grund für die enorme emotionale Wirkung des Films. 

Man möchte Three Billboards als Therapie für die amerikanische Krankheit empfehlen, doch um für Medizin empfänglich zu sein, bedarf es der Einsicht der Betroffenen. Es ist halt nur ein Film.  Aber ansehen sollte man ihn.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Regie: Martin McDonagh

Trailer

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