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Lanzarote – Lava, Licht & Meer

Enemy Mine (Wolfgang Petersen, 1985) war kein guter Film; eine kleine, sentimentale Story in bombastischem Erzählrahmen, erschütternd naiv inszeniert in zusammengebastelten Settings der Münchner Bavaria-Studios. Dass ich den Film trotzdem drei Mal gesehen habe, lag nicht zuletzt an den Außenaufnahmen, die auf Lanzarote gemacht worden waren – Bilder wie von einem anderen Stern. Mir war klar, dass ich die irgendwann dorthin musste,

Lanzarote ist eine Vulkaninsel, an einer Bruchstelle der Kontinentalplatten vor etwa 15 Millionen Jahren aus dem Meer hervorgewachsen. Fährt man von Arrecife aus ins Inselinnere, stößt man bald auf den denkbar größten Kontrast: das Schwarz der Lava, das sich in den Vulkanbergen zu Braun- und Gelbtönen abstuft, und das leuchtende Weiß der kastenförmigen Häuser mit ihren meist dunkelgrünen Türen und Fensterrahmen.


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Typische Behausung mit Garten: Lavamauer als Windschutz, Dattelpalmen als Baumersatz, ein paar Sukkulenten und Kakteen zur Verschönerung und Opuntien wegen der frischen Feigen.

Bald trifft man auf die ersten Lavafelder. Der letzte Vulkanausbruch fand 1824 statt, das Timanfaya-Naturschutzgebiet hat sich jedoch bereits bei den Ausbrüchen in den Jahren 1730 bis 1736 herausgebildet. Wie urtümliche Tiere ragen Vulkankegel und Teile abgesprengter Bergkuppen aus dem schwarzen Geröll der erstarrten Lava. In dieser Zone spürt man die Erdgewalten, die sich entladen haben. Hier herrscht die geologische Zeit, die uns nervösen Hüpfern als Stillstand erscheint. Auch die Flechten, die sich als Erste auf der Lava niederlassen, erscheinen uns statisch, obwohl sie das Geröll allmählich in Sand verwandeln und die Besiedlung durch andere Pflanzen vorbereiten.

Im Norden liegt der Aussichtspunkt El Mirador del Rio. Dort kann man einen Blick auf die kleine Nachbarinsel La Graciosa und deren Hauptort Caleta del Sebo werfen.

An der Nordwestseite der Insel, nahe dem Dorf El Golfo, lockt im Bogen eines teilweise versunkenen Vulkankraters der Lago Verde, der seine intensiv grüne Farbe Algen zu verdanken hat.

Geradezu rührend muten die landwirtschaftlichen Bemühungen der Inselbewohner an. Es fällt kaum Regen, das Trinkwasser wurde bis vor kurzem mit Tankschiffen herangeschafft. Inzwischen verrichten Meerwasserentsalzungsanlagen ihren Dienst, doch zur Bewässerung reicht das nicht aus. Alle Pflanzungen, vor allem Wein, werden von niedrigen Lavamauern vor dem Wind geschützt, die stellenweise die Landschaft prägen.

 

Weinanbaugebiet


Auf Opuntien gedeiht die Cochenilleschildlaus, aus der der Farbstoff Karmin gewonnen wird.

Niemand kommt auf Lanzarote an César Manrique (1919-92) vorbei. Der Maler, Landschaftsplaner und Architekt ist allgegenwärtig und genoss schon zu Lebzeiten quasi Heiligenstatus – man könnte auch von Narrenfreiheit sprechen. Auf Lanzarote geboren, studierte er Kunst in Madrid und ging dann nach New York, wo er genau die richtigen Leute kennenlernte (Rothko, Pollock, Warhol). 1939 kehrte er auf die Insel zurück. Ob es wirklich eine gute Idee ist, Lavahöhlen zu dekorieren, sei dahingestellt, doch auf jeden Fall hat ihm Lanzarote unter anderem das einheitliche architektonische Erscheinungsbild und die umweltverträgliche Entwicklung des Tourismus zu verdanken.


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Innenraum in der Fundación César Manrique


Atelier des Künstlers

Windmühle am Jardin de Cactus

Noch ein Wort zur Unterbringung. Das Hotel Seaside Jameos de Playa in Arrecife hat sich als idealer Ausgangsort für die Inselerkundung erwiesen. Die Anlage ist nicht unbedingt ruhig zu nennen, ist aber so weitläufig angelegt, dass auch Ruhesucher genügend Rückzugsorte finden. Verpflegung und Service sind ausgezeichnet, der nahe öffentliche Strand ist nicht überlaufen. Und der wundervolle Kakteengarten des Hotels hat uns dafür entschädigt, dass der von Manrique entworfene Jardin de Cactus wegen eines Streiks nicht zugänglich war.

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