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Gravity – losgelöst im Weltraum

Die sich in der Schwärze des Weltraums drehende blaue Erdkugel, das ist das erste Bild. Kein Ton, kein Geräusch lenkt ab von der Betrachtung. Dann tauchen aus dem Hintergrund zwei winzige Lichtpünktchen hervor, schweben minutenlang heran, und man vernimmt leise Stimmen: die von Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalski (George Clooney). Immer näher kommen sie, bis man ihren Dialog verstehen kann und das Shuttle und das Hubbleteleskop erkennt. Die Kamera gerät in Bewegung, in der Schwerelosigkeit hat sie ihr ureigenes Element gefunden. Während man Ryan bei ihren Reparaturarbeiten zuschaut, nimmt Matt, Astronaut auf seinem letzten Flug, den Tanz der Kamera auf und variiert ihn. Er scherzt, plaudert, staunt ein letztes Mal, nimmt Abschied. Plötzlich der Befehl von Mission Control in Houston: Einsatz abbrechen, zurück ins Shuttle. Ein Satellit wurde zerstört, die Trümmer rasen durch den Orbit, bedrohen andere Satelliten und Raumstationen und das Leben dieser beiden Menschen. Nach dem ersten Trümmereinschlag wird das Weltraumballett zum hilflosen Trudeln, zum Überlebenskampf. Ryans Atmen in den Ohren, sieht man sie torkeln und rotieren, bis die Kamera sich ihrer Bewegung angleicht, sich ihrem angstgezeichneten Gesicht immer weiter nähert, hinter das Visier kriecht und auf einmal aus dem Helminneren nach außen blickt, wo Erde und Shuttle kreiseln wie toll.

Der Weltraum ist kein Ort für Action, das weiß man seit Kubricks 2001. Die Spannung kommt aus der Stille, aus der Lebensfeindlichkeit der Umgebung, aus der jeden Maßstab sprengenden Leere und Weite des Raums. Die quasi dokumentarische Qualität der 3-D-Bilder bewirkt das Gefühl distanzloser Authentizität. So ist man ganz bei diesen beiden Personen, die in ihren Überlebensanzügen eingeschlossen sind, vor sich die Anzeige mit dem Countdown der Zahlen für Luftvorrat und Energie. Gemeinsam erreichen sie die ISS. Dann werden sie getrennt. Kein Mensch wird je einsamer sein als Matt Kowalski, der seinen Sicherungsgurt ausklinkt, sich von Ryan löst und davonschwebt, verstummt und entschwindet. Ryan kann nur dann überleben, wenn es ihr gelingt, mit der Rettungskapsel der zertrümmerten ISS die chinesische Raumstation zu erreichen.

Dieser Film von Alfonso Cuarón hat das Zeug zum Klassiker. Mein Tipp: Oscar für Kamera, Trick, Drehbuch und Regie.

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