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Ad Astra – und wieder zurück

Ein Forschungsraumschiff, das nach Hinweisen auf unbekannte Intelligenzen suchen soll, ist in der Nähe des Neptuns seit 20 Jahren verschollen. Irgendwas stimmt nicht mit dem Antimaterie-Antrieb, und jetzt rollen Wellenfronten gegen die Erde an, die unsere Zivilisation zu vernichten drohen. Klar, dass da jemand nach dem Rechten sehen und die Bedrohung mit einem atomaren  Sprengkopf beseitigen muss.

So weit, so bescheuert, könnte man meinen, doch dieses Instant-Urteil wird dem Film keineswegs gerecht. Das zeigt sich schon in der atemberaubenden Eröffnungssequenz, die wohl nicht ganz zufällig an Gravity erinnert.  Roy McBride (Brad Pitt), Angestellter der amerikanischen Weltraumbehörde SpaceCom, führt eine Reparatur an einer Weltraumantenne aus und stürzt nach einem Unfall minutenlang in die Tiefe, bis er sicher auf der Erde landet. Das ist überzeugend umgesetzt und herausragend gefilmt und nimmt schon  mal ein für den Film, und das ist auch nötig, denn was folgt, ist im Kern eine im inneren Monolog stattfindende Auseinandersetzung mit dem abwesenden Vater und ein langwieriger, quälender Prozess der Selbsterkenntnis. Der stoische McBride, dessen Herzschlag niemals über 80 steigt, bewahrt zwar in jeder Situation einen kühlen Kopf, ist aber letztlich liebesunfähig und einsam. Zeit zum Nachdenken bekommt er jedenfalls, denn er wird zunächst  zum Mars geschickt, um Kontakt mit dem überlebenden Expeditionsleiter des verschollenen Forschungsraumers aufzunehmen – seinem Vater. Von dort aus geht es dann etwas eigenmächtig weiter zum Neptun, wo es zur entscheidenden Begegnung kommt. Zwischendurch sind immer wieder Action-Episoden eingefügt, die einerseits etwas aufgesetzt wirken, anderseits (wie zum Beispiel bei einer Verfolgungsjagd von Mondrovern) enorme Schauwerte bieten – und nicht nur das. Im Interview sagte Regisseur James Gray, er habe vor allem die Lebensfeindlichkeit des Weltraums zeigen wollen. Und das ist ihm dank großer Detailgenauigkeit auch gelungen. Während der interplanetarische Fernflug zum Seelentrip wird, fängt die Kamera immer wieder die trostlose Schönheit des Raums ein, untermalt vom unaufdringlichen Soundtrack und McBrides ruhiger Stimme.  Damit liefert der Film auch die dunkle Folie, auf der seine simple, aber erstaunlich zeitgemäße Botschaft angemessen leuchten kann. Konterkariert wird dies freilich durch völlig überflüssige Durchhänger, so wenn ds Raumschiff auf seinem Flug vom Mars zum Neptun aus nächster Distanz erst den Jupiter und dann den Saturn passiert, ganz so, als wären die Planeten aufgereiht wie auf einer Schnur. Das ist Blättern im Planetenatlas für Kinder.

Auch wenn der nachdenkliche, melancholische McBride in psychologischer Hinsicht manchmal wie ein Wiedergänger von Officer K aus Blade Runner 2049 wirkt, ist Ad Astra alles andere als ein großer, runder Wurf. Dennoch fällt mein Fazit positiv aus. Trotz einiger dramaturgischer Albernheiten (sprich Zugeständnissen an die vermutete Erwartungshaltung des Publikums) und kleinerer technischer Ungereimtheiten ist Ad Astra ein ernsthafter SF-Film mit einem hohen Grad an Realistik, der von Brad Pitts intensiver Darstellung über alle Untiefen hinweggetragen wird. Sehenswert. 

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Ad Astra

Regie: James Gray 2019

Trailer

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