Arbeitszeichen

Foto: nst 2016

Dieses Jahr wurde so viel zum Thema künstliche Intelligenz (KI) gesagt und geschrieben, dass man meinen könnte, der Anbruch eines neuen Zeitalters stehe unmittelbar bevor. Manche befürchten schon, in naher Zukunft sei ihr Job in Gefahr, weil ihre Tätigkeit von intelligenten Maschinen übernommen werden könnte. Doch eine immer bessere Spracherkennung, wie sie bei elektronischen Assistenten wie Cortana, Siri oder Alexa zum Einsatz kommt, und punktuelle Erfolge wie der mehrfache Sieg des Google-Großrechners Deep Mind gegen einen japanischen Go-Meister können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg zu einer KI, die den Namen verdient, noch sehr weit ist. Aber dennoch: Irgendwann werden künstliche Systeme, wie immer sie geartet sein mögen,  Intelligenz und Bewusstsein so gut simulieren können, dass nicht mehr ausgeschlossen werden kann, dass sie beides auch tatsächlich besitzen. Dann wird sich auch die Frage stellen, ob man diesen Systemen Würde und eigene Rechte zuerkennen muss. Das hätte auch ganz praktische Folgen für so profane Prozesse wie Abschaltung, Verschrottung und Ersatz durch modernere, leistungsfähigere KI.

2016 war für mich ein produktives Jahr, das Jahr der Storys. Insgesamt fünf sind entstanden, was für meine Verhältnisse ungewöhnlich viel ist. Vier davon befassen sich im engeren oder weiteren Sinn mit KI.

  • Supervision handelt von einem Psychologen, dessen Patient  Beziehungsprobleme mit seiner virtuellen Freundin hat. Die Story ist bereits erschienen  (Spektrum 10/16) und kann hier kostenlos als PDF heruntergeladen werden..
  • In der Geschichte UWU XP4 macht den Turing-Test widersetzt sich ein Bot der Verschrottung und beruft sich auf seine Rechte. Diese Story wird im April 2017 in Spektrum erscheinen.
  • Andrea/s erscheint demnächst in der Literaturzeitschrift Am Erker. Eine junge Frau lässt sich eine elektronische Erweiterung implantieren – mit ungeahnten Folgen.
  • Im Museum der toten Dinge erkunden Bots mit kopiertem Bewusstsein einen fremden Planeten. Die Story wird in Nova 25 erscheinen,
  • Der Wächter wartet noch in einer Pipeline.

Dass mein Roman Der Weg nach unten jetzt wieder als E-Book erhältlich ist, ist mir eine besondere Freude. Erschienen ist der Roman 1991 bei Heyne als Paperback. Damals waren Fantasy-Rollenspiele angesagt. Auch ich spielte Das Schwarze Auge. Wir trafen uns wöchentlich und arbeiteten uns durch die haarsträubenden Abenteuer hindurch. Ich war fasziniert von der Gruppendynamik, die sich unter den Augen des hinter dem Pappaufsteller hervorlinsenden Spielleiters entwickelte. Ich erinnere mich an einen heftigen Streit um einen Esel, der durch ein Teleportationsportal in der Krone eines gewaltigen Baums gelandet war. Das brave Tier hatte uns zuvor gute Dienste geleistet, doch in der luftigen Höhe hatte es definitiv nichts zu suchen. Der Rückweg durchs Portal war versperrt, und den Esel über die schwankenden Hängebrücken zu führen, war ausgeschlossen. Was also tun? Ihn entweder zurücklassen oder ihn töten und als Wegzehrung verwenden, das waren die ‘realistischen’ Alternativen. Bei den beiden weiblichen Gruppenmitgliedern kamen die Vorschläge jedoch gar nicht gut an. Die Folge war ein absurder Spielabend, dessen Atmosphäre mit dem Adjektiv ‘lebhaft’ nur unzureichend charakterisiert ist.

Ursprünglich wollte ich eine Satire auf Rollenspiele schreiben, eine längere Story für eine Anthologie. Die Ausgangssituation aber nahm mich gefangen und entwickelte sich zu einem durch und durch ernsthaften Roman über eine Gruppe von Spielern, die sich in einem verfallenen Megahochhaus treffen, um ihrem (technisch ein wenig modifiziertem) Rollenspielhobby nachzugehen. Sie werden überfallen, der Fluchtweg ist ihnen versperrt, da die Aufzüge nicht mehr funktionieren. Das Gebäude ist ein abgeschlossener Mikrokosmos, bewohnt von zwei verfeindeten Gruppen, den so genannten Heavys und einem Stamm von Stadtindianern, die sich in dem labyrinthischen Bau eingerichtet haben und isoliert von der Außenwelt ein autarkes Nischenleben führen. Aus dem Spiel wird Ernst, der Weg nach unten wird zum Überlebenskampf.

Der Weg nach unten

Der Weg nach unten
Roman, E-Book, Neuveröffentlichung Apex 2016

Amazon

 

 

 

 

 

Im nächsten Jahr geht es gleich mit einer wichtigen Neuveröffentlichung weiter: Mein Roman Kolonie erscheint als E-Book und Paperback am 13. Februar bei Heyne. Hier geht es um die erste extrasolare Menschensiedlung, dreißig Jahre nach der Landung. Ich wollte mir ein realistisches Bild von einer Kolonie unter solch schweren Bedingungen machen. Insofern konnte keine fröhliche Pack-an-Geschichte á la Der Marsianer dabei herauskommen. Meine ‘Helden’ sind in die Jahre gekommen und kämpfen gegen das Alter und den Verfall ihrer Station. Der Funkkontakt zur Erde ist aufgrund technischer Defekte schon kurz nach der Landung abgebrochen. Die mutierten Kinder haben die 30 Kolonisten aus Angst vor Ansteckung in einen eigens erbauten Sicherheitstrakt eingesperrt. Auf die Unterstützung durch Bots müssen sie verzichten, denn die haben sich selbstständig gemacht und werkeln an einer eigenen Stadt. Da taucht ein Raumschiff von der Erde auf, an Bord die zweite Kolonistenwelle – ganze fünf Personen. Die Freude über den unerwarteten Besuch währt jedoch nur kurz. Die Interessen von Alt- und Neukolonisten sind zu unterschiedlich. Der Konflikt eskaliert.

KolonieKolonie
Roman, Heyne 2017

Leseprobe

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2 Gedanken zu „Arbeitszeichen

  1. Swen

    Natürlich ist der Weg zu einer „echten KI“ wie z.B. Vision in den Avenger Comics/Filme noch weit und ob es eine echte KI jemals geben wird steht in den Sternen. Jedoch werden Jobs definitiv von Maschinen, die etwas intelligenter als die aktuelle Generation von Maschinen, ersetzt werden. Furchtbar viele Menschen leben davon einen LKW zu fahren. Früher oder später werden herkömmliche LKWs durch autonome Fahrzeuge ersetzt. Harald Welzer sprach sich gegen Autonome Fahrzeuge aus, die würden ja keinen Spass machen. Bei LKWs geht es nicht um Spass, sondern nur um Geld welches die Spedition mit einer pünktlichen Lieferung verdient.

    Millionen Asiaten leben davon Kleidungstücke oder Schuhe zu nähen. Bis jetzt kann dies noch nicht von Industrierobotern erledigt werden. Addidas fängt aber gerade damit an, Schuhe von Industrierobotern nähen zu lassen. Im manchen Ländern macht die Textilbranche 50 bis 90% des gesamten Export aus. Für diese Länder würde schon ein strohdummer aber geschickter Robter ein Alptraum bedeuten. Hierzu gibt es einen guten Artikel der WELT.

    Was gerade unter Industrie 4.0 läuft, die weitere Automatisierung von Betrieben und Firmen, die stärkere Vernetzung von Kunden und Lieferanten auf Basis verknüpfter SAP Systeme wird viele Prozesse optimieren und somit erlauben mit weniger Personal auszukommen.

    Die Menschheit wird definitiv die Technische Entwicklung zu spüren bekommen. Zwar wird es kein Terminatorszenarim geben aber umwälzend auf einem globalem Level werden die Entwicklung meiner Meinung nach definitiv sein.

    Antwort
    1. nst Autor

      Danke für deinen Kommentar! Ich sehe es auch so, dass die KI-Entwicklung heftige soziale Folgen haben wird, aber es hilft nichts, sie nur als Bedrohung anzusehen. Die Kinder der Millionen Asiaten, die jetzt Schuhe und Jeans nähen, schicken ihre Kinder zur Schule, und die werden froh sein, wenn sich ihnen eines Tages auch andere Jobs bieten als in der Näherei oder am Montageband bei Foxconn. KI bringt Umwälzungen, aber auch Chancen. Auf jeden Fall stellt sie eine riesige Herausforderung dar, nicht nur sozial und ökonomisch, sondern auch im Hinblick auf unser Selbstbild.

      Antwort

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