Die Roboter kommen

Stell dir vor, sie sind da: humanoide Roboter für jeden Zweck, Hubots genannt. Soll es eine fleißige, anspruchslose Haushaltshilfe sein, ein Pflegerobot für die alleinlebende Oma, ein Spielkamerad fürs Einzelkind, eine Bettgenossin für den vereinsamten Single oder ein Sexsklave für ausgefallene Wünsche? Kein Problem – zu kaufen gibt es sie im Laden in der City oder im Onlineshop.HubotMarket Sie stellen keine Ansprüche, erfüllen klaglos die an sie gestellten Erwartungen und müssen nur hin und wieder zum Aufladen an die Steckdose.

Was aber ist, wenn die Ehefrau mit dem Hubot-Fitnesslehrer durchbrennt? Wenn das Kind die Gutenachtgeschichte lieber vom Hausbot vorgelesen bekommt als von der leiblichen Mama? Darf man Hubots demütigen oder gar quälen? Darf man sie bedenkenlos entsorgen, wenn sie defekt oder veraltet sind? Und was ist, wenn die Programmierung versagt und die Hubots entwickeln einen eigenen Willen?

Nein, so weit ist es noch lange nicht. Alles, was unter der Bezeichnung ‘Roboter’ läuft, sei es Hondas Treppe steigender und Geige spielender Asimo oder dessen fRealHumans2ranzösisches Gegenstück Nao, hat trotz aller Fortschritte in der optischen Anmutung bislang mehr Ähnlichkeit mit einem Aufziehspielzeug für Kinder oder einer fest programmierten Maschine für die industrielle Fertigung als mit einem künstlichen Gegenüber, das sich anschicken könnte, dem Menschen den Menschen zu ersetzen. Aber es wird daran gearbeitet, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich irgendwann, wenn leistungsfähigere Rechenchips und komplexere Software zur Verfügung stehen, Erfolge einstellen werden, die den heutigen Fantasien nahe kommen. Dann werden auch die oben angerissenen Fragen virulent – ethische,  juristische Fragen.

Der schwedische Zehnteiler ‚Real Humans‘ setzt statt auf digitale Tricks auf detailreich gezeichneten Alltag. In immer wieder neuen Konstellationen wird das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Hubot durchgespielt. Wie der alte Lennart von seiner überkorrekten Hubot-Haushälterin terrorisiert wird, die wohl nicht zufällig Ähnlichkeit mit der von Cathy Bates verkörperten Horrorkrankenschwester aus ‘Misery’ hat, wie Haushaltshilfe Anita erotische Gefühle beim Sohn der Familie Engman weckt und dessen Mutter sich naiv mit ihr anzufreunden versucht, während sie als Anwältin gegen die Hubot-Diskriminierung kämpft, ist durchweg unterhaltsam. Die Spannung nährt sich aus der sich zuspitzenden Konfrontation Mensch-Hubot. Die ‘Real Humans’ halten das Fähnlein der ‚Echten Menschen‘ hoch und wehren sich gegen die zunehmende Ausbreitung der vermeintlichen ‚Maschinen‘. Umprogrammierte verselbstständigte Hubots wiederum kämpfen wie seinerzeit die Replikanten in Ridley Scotts Bladerunner ums Überleben – während bei den einen die Asimovschen Gesetze auf der Strecke bleiben, verfolgen andere das Ziel, mit den Menschen gleichberechtigt zusammenzuleben. Leider kommt die hausbackene Inszenierung weitgehend ohne Tempowechsel aus und wird dem Stoff nur selten gerecht. Und die synchronisierten Dialoge scheinen wie Sprechblasen über den Menschen zu schweben, sodass sie bisweilen künstlicher als die Hubots wirken. Sehenswert ist die Serie aber trotzdem.

Real Humans – Echte Menschen, vom 4. April bis zum 2. Mai 2013 auf arte, immer Donnerstag um 20.15

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